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Artist 18: The Legendary Lightness PDF Print E-mail
Wednesday, 27 November 2013
The Legendary Lightness

Die besten Platten sind meist die, die Lücken lassen. Lücken, in die sich der Hörer verziehen kann, um eigene Geschichten anzuknüpfen. Lücken, die manchmal auch blanke Ungewissheit sind.
Mit der Sehnsucht ist man bekanntlich schnell zur Hand, aber ist vieles nicht doch schöner, wenn es unerfüllt, wenn es in der Schwebe, unvollkommen bleibt?

Daniel Hobi, Songwriter von The Legendary Lightness liebt dieses Dazwischen und dazu passt es gar nicht schlecht, dass die Musik des Züricher Quartetts von amerikanischem Songwriting (bevorzugt aus den 90ern) beeinflusst ist, er selbst trotz seiner 40 Jahre jedoch noch nie in den Vereinigten Staaten war. Und auch gar nicht unbedingt hin möchte. Zu groß sei die Gefahr, dass seine Vorstellungen von harschen Realitäten enttäuscht werden könnten. Denn mit der Sehnsucht, der unerfüllten Liebe und dem Fernweh ist das ja so eine Sache. Das zweite, selbstbetitelte Album von The Legendary Lightness kann 10 Lieder davon singen.

Eingespielt haben Hobi und seine Mitstreiter Dominik Huber, Dominic Oppliger und Neubandmitglied Daniel Nievergelt die Platte möglichst live und unverblümt, in nur einer Woche in den Züricher Sound Development Studios. Die Band hatte das Gefühl nach zahlreichen Konzerten an einer gemeinsamen musikalischen Sprache angelangt zu sein. Bei der Album-produktion wollten die Musiker daher alles tun, damit diese Sprache ihren Ausdruck findet.

So klingt „The Legendary Lightness“ vor allem eins: warm. Fast so, als würde die Platte von innen heraus glühen. Bei aller Dynamik und verspielten Arrangements mit Pedalsteel, Vibraphon, Omnichord oder Cembalo dürfen die 10 Songs zu jedem Zeitpunkt atmen, reduzieren sich im entscheidenden Moment aber immer aufs Wesentliche und lassen folkige Chöre wie in dichten Zeitlupen-Schwärmen vorbeiziehen. Oder wie es ein früher Rezensent aus der Schweiz (da erschien die Platte schon Anfang des Jahres beim Baseler Label Anker Platten) so treffend formulierte: „Es sind langsame, dräuende Lieder, denen man manchmal einen Schubs geben möchte. (...) Aber dann sinkt man doch in diese Gespinste aus lang und dünn gezogenen Rock- und Countrymotiven, aus milchigen Grooves und vielen, spieldosenhaften Extras.“ (Christoph Fellmann, Tages-Anzeiger, 22.3.2013).

Die vielzitierte Leichtigkeit dieser Band ist nicht protzig, nicht cool oder lässig. Sie kreist erhaben um sich selbst, scheinbar unberührt von allem Äußeren. Wie Winkelspiegel im einem Kaleidoskop, lassen die Musiker mit sachten Bewegungen immer neue Muster entstehen. „The Legendary Lightness“ ist eine Platte, die in allen Jahreszeiten funktioniert. Man kann sie sich zwischen schneebedeckten Bergen vorstellen, in einem verregneten Herbst oder inmitten reifer, goldgelber Felder. Sie drängt sich nie auf und doch liebt man spätestens mit dem dritten Hören jedes Stück darauf so, als hätte man es als Teenager monatelang in Schleife auf dem Walkman angehört.

Und am Ende sind sie dann wieder da: die Lücken. Wenn im Schlusstück „Hey Ron“ die Personen im Text durch stetiges Bruchrechnen immer kleinere Zahlen durch zwei teilen, bis sie sozusagen ganz verschwinden, türmt die Band Musikschicht auf Musikschicht und lässt diesen Noise-Orkan am Ende gehörig an den Hörerohren rütteln.

Sagten wir bereits, dass „The Legendary Lightness“ eine verdammt tolle Platte ist?
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P.S.: Nachgestellte Information für Interessierte: für das Album sind keine Snares verwendet worden.



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