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Artist 03: bergen PDF Print E-mail
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„bergen ist eine Band aus Dresden.“ So fangen bergen aus Dresden in der Regel immer an, wenn sie etwas über sich selbst erzählen sollen. Und es klingt manchmal ein bisschen so, als ob nach dieser Feststellung schon Schluss wäre, die Fakten aufgezählt und man nicht so recht wüsste, wie weiter.

In der Tat ist der bergen-Ansatz ein, nun ja, eher spezieller und gar nicht so einfach auf den Punkt zu bringen. Denn statt über Störche, Tütensuppe und reitende Prinzen (auf dem bergen-Debüt „Gegenteil von Stadt“ von 2009) singen die Sachsen auf ihrem zweiten Album Bärenmann auf einmal über alte Zausel, die sich Fell ins Gesicht kleben, um zwischen sieben und acht auf eigene Faust den Verkehr zu regeln, runzelige Frauen am Badewannenrand, verknallte Paare, die sich am Feierabend einen Suizid per Livestream im Internet angucken oder immer wieder über verkitschte, nicht mehr ganz so jugendliche Liebe, die einen durch den nächsten Winter bringen muss und dabei vielleicht auch schon die letzte ist.

Verpackt wird das Ganze in einfache Popsongs mit Folk-Appeal, mit Klavier, Gitarren, Schlagzeug, Bass, Klarinetten und große Melodiebögen zeichnende Bläser. bergen machen in der Sache da weiter, wo Distelmeyers Apfelmann aufgehört hat, sind kauzig und verschachtelt aber dann in ihren Harmonien wieder so simpel, traditionell und angenehm, dass man beim Hören reflexartig die Füße hochlegen möchte. Bei iTunes wird so viel Naivität dann auch umgehend mit Einsortierung in die Rubrik „Schlager“ abgewatscht, was den Bandmitgliedern zu allem Überfluss auch noch ganz gut gefällt.

„bergen haben einen ganz eigenen Klang, der ziemlich facettenreich ist“ befand Deutschlandradio Kultur vor einiger Zeit und wahrscheinlich ist diese Mischung aus erzkonservativ und befremdlich, versponnen und lahmarschig auch der Grund, warum sich Erdmöbel-Produzent und -Bassist ekimas nicht lange bitten ließ, dem Bärenmann im Kölner Musikkollektiv Eigelstein ein passendes Klangkostüm zu nähen. Eines, das all die eiernden, unperfekten Momente der mehrheitlichen Amateurmusiker von bergen nicht glattbügelt, sondern Atmen lässt und diese am Ende dennoch zu einem runden Ganzen führt.

So erzählen bergen acht ausgedehnte Songs lang von aussichtlosen Kämpfen, zerplatzen Träumen, kranken Typen und klapprigen Beziehungskonstrukten, wenn die Sturm und Drang-Phase zunächst mal überwunden ist. Die Suche nach Halt wird zum zentralen Thema, oder wie es im Schlusstitel „Iona“ heißt: „Wenn wir jetzt sagen, dass das jetzt „immer“ ist, dann brauch ich Dein Versprechen, dass wir das beide packen. Denn manchmal weiß ich nicht, wie die anderen das nur machen.“

Ob das am Ende dann alles gut ausgeht bleibt nur zu hoffen. Der Bärenmann jedenfalls folgt bis dahin erstmal seinen gottgegebenen Reflexen. .

bergen-macht-musik.de

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