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Artist 04: Rumen Welco PDF Print E-mail
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Rumen Welco

Mit 16 Jahren gründen Mathias Weilandt und Erik Söhnel Ende der 90er Jahre die Rockgruppe Rumen Welco (benannt nach einem gleichnamigen, aus Bulgarien stammenden Schulkameraden aus der Oberstufe), quetschen ihre tragbaren Verstärker und verstimmten Gitarren Woche für Woche in marode Dresdner Straßenbahnen und machen Hausbesuche bei diversen Herzensdamen, um angeblich ein bisschen gemeinsam zu „musizieren“. Mit dem Geschmack nimmt man es damals nicht so streng, jammt zu Bob Marley oder zu was „eben sonst so angesagt war“ (Mathias Weilandt). Die Band als Flirtvehikel – gerade in dieser Form unweigerlich zum Scheitern verurteilt.

Wie die beiden dann schließlich bei Schlagzeuger Paul Horn (damals 14 Jahre) landen, ist leider nicht mehr überliefert. Tatsächlich konzentriert man sich alsbald auf eigene Songs, verfällt in beinahe religiöse Bewunderung für Isaac Brock von Modest Mouse und beginnt lautstark und nachdrücklich, sich von der kraftlos vor sich hindümpelnden Dresdner Musikszene abzugrenzen. Zeitzeugen erinnern sich heute noch mit einem seligen Lächeln an die krakelig-zusammengeschusterte Rumen Welco-Homepage, die anstelle freundschaftlicher Verweise nur so vor Listen mit Bands strotzte, die man auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene boykottierte.

Die eigene Karriere in und um Dresden entzweit indes die Geister: Während eine Vielzahl der Konzertgänger reichlich wenig mit Rumen Welcos entschleunigtem, notorisch einen Viertelton daneben liegenden Indie anzufangen weiß, können die lokalen Booker und Musikjournalisten ihre Begeisterung für diese jungen Sonderlinge kaum verbergen. So spielen Rumen Welco bald im Vorprogramm von Künstlern wie Howie Gelb, Interpol, Adam Green oder Tomte. Teile der Band fallen indes immer noch unters Jugendschutzgesetz und hätten eigentlich längst über den Matheaufgaben für den nächsten Tag eingeschlafen sein sollen.

Ende 2005 dann einiger Rummel. Paul Horn bekommt langsam einen Bart und muss zur Strafe an die E-Gitarre, während Erik Söhnel an die Trommeln wechselt. Diana Kirsch kommt am Piano dazu, Sebastian Kiefel greift sich den Bass. Rumen Welco sind mit leichter Verspätung endlich bereit fürs neue Jahrtausend und machen sich stoisch an neues Material, das bald schon folkiger, traditioneller und weniger nach kantigem Indie klingt. Stücke wie „(Ricky) You’re My Beater“,  sind rund und makellos, dass man beinahe geneigt ist, sie auf dem nun endlich erscheinenden Labeldebüt zu überhören. Rumen Welco entdecken den Song für sich, in den sie fortan ihre knorrigen, abstrusen Geschichten packen.

So behandelt „Barbarossa“ beispielsweise die Frage, was denn nach dem Tod vom Leben übrig bleibt. Hier erbt ein wurstiger Rotbart ein vertrocknetes Päckchen Tabak von seinem verstorbenen Onkel, das er sorgsam mit Dörrobst streckt. Der Song mündet am Ende in ein Grillfest. „Denver“ berichtet von einem armen Kerl, der sich nach der Pornodarstellerin Bobby aus Denver, Colorado verzehrt, diese Liebe aber aufgrund unterschiedlicher Lebensperspektiven wieder traurig zu den Akten legt. Im heimlichen Hit des Albums „The Girl In The Painting“ verknallt sich der Protagonist bei einer Gerhard Richter-Ausstellung in das Abbild Gudrun Ensslins. Da wären sie also wieder, die Frauen, was Bandkopf Mathias Weilandt in seinen Inhaltsangaben zu den einzelnen Liedern mit „den ewigen inneren Kämpfen zwischen lüsterner Begierde, frommen Gebet, Engel, Tod und Teufel“ begründet. Rumen Welco als Hedonismus und gleichzeitig tief empfundener Glaube an das Gute.

Einen weiteren Begriff, den Weilandt gern ins Feld führt, wenn es um die Einordnung des eigenen Schaffens geht, ist der des „Musikverwesers“, ohne jedoch so vermessen zu sein, dem Wortsinn nach an jemandes Stelle treten zu wollen. Rumen Welco sind vielmehr geschickte Diebe, ernsthafte Nachlassverwalter und kluge Amendeure. „Marylou“ stellt sich bewusst in die Tradition von Liedern, die ebenjene Dame besingen.  „Hello, Mary Lou“ von Creedence Clearwater Revival (Original: Gene Pitney), „Marilou Sous La Neige“ von Serge Gainsbourg und „Goodbye Marylou“ (Michel Polnareff).
Rumen Welcos Lieder torkeln dabei zwischen Echt, Songs:Ohia, Smog und den Pixies, scheinen manchmal gänzlich aus der Zeit gefallen, sind elegant um im nächsten Atemzug ins Rüpelig-Polternde abzudriften. Und dann immer wieder dieser sanft fließende Wechselgesang von Diana Kirsch und Mathias Weilandt, die auch privat ein Paar sind. Hat also letzten Endes sogar doch noch geklappt, mit dem Frauen-Aufreißen.

myspace.com/rumenwelco
rumenwelco.de

Pressefotos:
Bild 1
Bild 2
Credits (alle): Markus Schurz


 
   
 
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